Hoch im Norden, in der kalten, klaren Ostsee, war Opa Jörg wieder einmal mit seinem besten Freund Fin unterwegs. Finn das war, ein riesiger, aber unglaublich sanfter Finnwal.
Sie glitten an der Küste Finnlands entlang, als sie ein leises, verzweifeltes Schluchzen hörten.
„Hörst du das, Finn?“, flüsterte Opa Jörg.
Finn antwortete mit einem sanften, singenden Ton, wie Wale es tun. Gemeinsam folgten sie den Geräuschen und fanden in einer kleinen, versteckten Bucht den Weihnachtsmann! Sein großer, voller Sack lag neben ihm im Schnee, und er wischte sich eine Träne aus dem Auge.
„Weihnachtsmann! Was ist denn passiert?“, rief Opa Jörg besorgt.
„Ach, mein lieber Freund“, seufzte der Weihnachtsmann. „Es ist eine Katastrophe! Meine Rentiere sind alle krank geworden. Sie haben hustende Schnauzen und zitternde Beine und können überhaupt nicht mehr fliegen! Und ohne fliegende Rentiere kann ich die Geschenke nicht zu den Kindern bringen!“
Opa Jörgs Herz wurde schwer. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die Kinder am Weihnachtsmorgen mit leeren Strümpfen dastehen sollten.
„Es gibt nur eine Medizin, die helfen kann“, fuhr der Weihnachtsmann fort. „Eine spezielle Hustenmischung und Stärketropfen. Die hat nur ein guter Tierarzt in … in Dresden!“ Sein Gesicht wurde noch länger. „Aber wie soll ich jemals rechtzeitig dorthin und zurückkommen?“
Da hatte Opa Jörg eine Idee. Eine verrückte, aber wunderbare Idee.
„Wir machen das!“, rief er entschlossen. „Finn und ich! Finn ist der schnellste Schwimmer in der ganzen Ostsee. Und ich kenne den Weg!“
Der Weihnachtsmann strahlte vor Erleichterung. „Würdet ihr das wirklich tun?“
Finn antwortete mit einem lauten, fröhlichen Sprung aus dem Wasser, der Gischt bis in die Sterne sprenkelte. Die Sache war klar!
Schnell schrieb der Weihnachtsmann die Adresse des Tierarztes auf. Opa Jörg setzte sich auf Finns breiten Rücken, klammerte sich an seine Rückenfinne und schon ging die wilde Reise los!
„Halte dich fest!“, rief Opa Jörg, aber er meinte sich selbst. Finn schwamm, so schnell er konnte. Sie rasten durch die Ostsee, vorbei an neugierigen Robben und leuchtenden Quallen. Sie fuhren die Flüsse hinauf, immer in Richtung Leipzig. Der Wind pfiff Opa Jörg um die Nase, aber er lachte, denn in seinem Herzen wusste er: Sie retten das Weihnachtsfest!
Endlich, nach einer langen, aufregenden Reise über die Nordsee und die Elbe, erreichten sie Dresden. Der Tierarzt war sehr überrascht, einen Wal vor seinem Fenster zu sehen, aber als er hörte, worum es ging, packte er sofort die Medizin ein – große Flaschen mit glitzernder, roter Flüssigkeit und stärkenden Kräutern.
„Beeilt euch!“, rief er. „Heute ist schon Heiligabend!“
Opa Jörg und Finn machten sich sofort auf den Rückweg. Die Zeit wurde knapp. Der Himmel wurde dunkel, und die ersten Sterne kamen zum Vorschein. In der Ferne sahen sie schon das Weihnachtsmannsdorf im Schein der Nordlichter.
Als sie ankamen, stand der Weihnachtsmann schon erwartungsvoll am Ufer. Schnell gab Opa Jörg ihm die Medizin. Der Weihnachtsmann eilte zu seinen Rentieren, die matt in ihren Ställen lagen. Tropfen für Tropfen verabreichte er ihnen die Heiltränke.
Und siehe da: Innerhalb weniger Minuten hörte das Husten auf! Die Rentiere sprangen munter auf die Beine, ihre Augen leuchteten wieder, und ihre Hufe klackerten voller Energie auf dem Eis. Sie waren bereit zu fliegen!
„Ihr habt es geschafft!“, rief der Weihnachtsmann überglücklich und umarmte Opa Jörg so fest, dass dessen Mütze verrutschte. „Ihr habt das Weihnachtsfest gerettet! Von nun an seid ihr offizielle Weihnachtshelfer!“
Finn jubelte mit einem gewaltigen Wasserstrahl in den Himmel.
Gerade als die erste Kirche auf der Welt ihre Glocken läutete, sprang der Weihnachtsmann mit einem „Ho, ho, ho!“ auf seinen Schlitten. Die Rentiere zogen an, und mit einem Schweif aus funkelndem Sternenstaub hoben sie ab in die Weihnachtsnacht.
Opa Jörg und Finn schauten dem Schlitten nach, bis er nur noch ein kleiner, leuchtender Punkt zwischen den Sternen war. Sie waren müde, aber ihr Herz war so warm und voller Freude wie ein Ofen an Weihnachten. Sie wussten, dass in dieser Nacht alle Kinder auf der Welt lächeln würden. Und das war das allerbeste Geschenk.