Hallo du! Hast du schon einmal diesen wunderbaren Duft von Weihnachten gerochen? Nach Zimt, Orangen und Lebkuchen? Tief im verschneiten Erzge-birge, wo die Häuser im Winter wie mit Zucker bestäubt aussehen, wohnt noch ein ganz besonderer Duft. Und der kommt von einem kleinen, freundlichen Gesellen: dem Räuchermännchen.
Unser Räuchermännchen heißt Emil. Er ist aus feinem Holz geschnitzt, trägt einen weiten blauen Mantel und einen großen, weißen Bart. Aber das Allerbeste an Emil ist seine kleine Öffnung in seinem Rücken und sein hohler Bauch.
Eines Abends, kurz vor Weihnachten, wurde Emil auf den Kaminsims der Familie Weber gestellt. Neben ihm leuchtete der Schwibbogen mit seinen geschnitzten Motiven, und ein paar Engel mit ihren Weihnachtskerzen schwebten sanft von der Decke.
Emil war ein bisschen aufgeregt. „Gleich geht es los“, flüsterte der Nussknacker, der neben ihm stand.
Da kam auch schon Leas Oma. Sie hielt ein kleines, kegelförmiges Räucherkerzchen in der Hand. „So, mein Kleiner, jetzt bringst du uns wieder den schönsten Duft ins Haus.“ Sie zündete die Räucherkerze an, pustete sie sanft aus, bis sie nur noch glimmte, und setzte sie vorsichtig in Emils Bauch.
Puff! Puff! Puff!
Aus Emils Mund quoll plötzlich ein duftender, weißer Rauch! Er roch nach Weihnachten, nach Wald und nach Honig. Emil lächelte vergnügt. Das war sein Job, und er liebte ihn.
Während der duftende Rauch wie eine kleine Wolke durch das Zimmer tanzte, passierte etwas Wunderbares. Der Rauch erzählte Geschichten.
Er kringelte sich um den Schwibbogen und plötzlich konnte Lea die Bergleute fast singen hören, wie sie nach einer langen Schicht unter Tage nach Hause zurückkehrten.
Er wirbelte um die Weihnachtspyrami-de, und die geschnitzten Figuren schienen sich ein kleines bisschen schneller zu drehen, als ob der Rauch sie antreiben würde.
Er kuschelte sich an den Holzengel, und Lea war sicher, dass er ihr ein leises, himmlisches Flüstern ins Ohr gab.
„Jeder Duft erzählt eine andere Geschichte“, erklärte der Nussknacker mit seiner tiefen, hölzernen Stimme. „Der Duft von Apfel und Zimt erzählt vom Plätzchenbacken. Der Duft von Tannennadeln erzählt vom winterlichen Wald.“
Emil, das Räuchermännchen, war also kein einfacher Holzmann. Er war der Hüter der Weihnachtsdüfte und Geschichten!
An diesem Abend war die kleine Lea etwas traurig. Ihre beste Freundin war krank und konnte nicht vorbeikommen. Der ganze Zauber schien ein bisschen verblasst.
Oma bemerkte das. Sie nahm ein besonderes Räucherkerzchen – es roch nach Orangenschalen und Nelken, nach Trost und Geborgenheit. Sie setzte es in Emil und ließ den Rauch seine Arbeit tun.
Der Rauch kuschelte sich um Lea wie eine warme Decke. Sie sah Emil an, der so freundlich und friedlich vor sich hin rauchte, und fühlte sich auf einmal ganz getröstet. Sie wusste, dass ihre Freundin bald wieder gesund sein würde. Die Weihnachtswunder geschlichen leise, und manchmal brauchte man nur ein Räuchermännchen, um sie zu spüren.
Seit diesem Abend weiß Lea: Das Räuchermännchen ist viel mehr als eine Dekoration. Es ist ein kleines Stück Magie aus dem Erzgebirge.
Wenn du also das nächste Mal ein Räuchermännchen siehst und seinen süßen Rauch riechst, dann weißt du: Da erzählt jemand eine Geschichte. Vielleicht ist es ja sogar der kleine Emil.
Hast du auch ein Räuchermännchen bei dir zu Hause? Welchen Duft magst du am liebsten?