Opa Jörg, der Finnwal und das kleine Eisbärenkind


An der Ostsee, wo der Wind salzig schmeckt und die Möwen laut lachen, stand Opa Jörg am Strand. Er hatte eine ganz besondere Freundschaft. In seiner Tasche steckte seine knallrote Trillerpfeife. Er holte sie hervor und pustete: „Trill-trill-trilllll!“
Der Pfiff war so schrill, dass er über das weite, grüne Meer flog, bis zu einem ganz bestimmten Ort. Dort, wo das Wasser am tiefsten war, lauschte ein riesiger Finnwal namens Finn. Finn war so lang wie ein Bus und seine Haut war glatt und grau. Als er die Pfeife hörte, schwamm er so schnell er konnte Richtung Strand.
Plötzlich tauchte seine riesige, freundliche Schnauze aus dem Wasser auf. „Jörg, alter Freund!“ – das sagte er mit einem tiefen, glucksenden Ton, den nur Opa Jörg verstand.
„Finn, mein Lieber!“, rief Opa Jörg und watete ins Wasser, um Finn sanft an der Nase zu tätscheln. „Lass uns heute ein Abenteuer erleben! Schwimmen wir nach Norden!“
Ohne zu zögern, ließ sich Opa Jörg auf Finns breiten Rücken gleiten und los ging die Reise. Das Wasser spritzte und die Sonne funkelte auf den Wellen. Sie schwammen vorbei an neugierigen Robben und vorbeischwebenden Eisvögeln.
Nach vielen Stunden tauchte am Horizont eine kleine, einsame Insel auf. Sie war karg und felsig. Und dort, auf einem großen Stein, saß etwas Kleines, Weißes und sah sehr, sehr traurig aus.
Es war ein Eisbärenjunge! Sein Fell war zerzaust und er weinte leise vor sich hin.
„Kleiner, was ist denn los?“, fragte Opa Jörg mit seiner sanftesten Stimme, als sie näher kamen.
Der kleine Eisbär schauke auf. „Ich habe meine Mama verloren“, schluchzte er. „Das Eis, auf dem wir geschlafen haben, ist einfach unter uns weggebrochen. Ich wurde auf eine Eisscholle gespült und dann hierher.“
Opa Jörgs Herz wurde schwer. „Aber das geben wir nicht zu! Finn hat eine super Nase und super Ohren. Wir finden deine Mama!“
Finn schnupperte kräftig in die Luft und tauchte dann seinen Kopf ins Wasser, um zu lauschen. „Ich habe etwas!“, rief er aufgeregt. „Nach Nordosten! Da ist eine Bärin, die ruft!“
Sie nahmen den kleinen Eisbären behutsam mit und schwammen los. Und tatsächlich: Nach einer Weile sahen sie eine große, aber erschöpfte Eisbärenmutter, die verzweifelt am Ufer eines schmelzenden Eisfeldes stand.
„MAMA!“, brüllte das Junge und sprang von Finns Rücken. Freudig umarmten sich die beiden und kuschelten sich gegenseitig mit ihren Nasen ab.
„Wie kann ich Ihnen nur danken?“, sagte die Eisbärenmutter zu Opa Jörg und Finn. „Es wird immer gefährlicher für uns hier.“
„Warum denn das?“, fragte Opa Jörg besorgt.
Die Eisbärenmutter seufzte tief. „Seht euch das Eis an. Es ist viel dünner als früher und schmilzt viel zu schnell. Das liegt an der Erwärmung der Erde. Die Luft und das Meer werden wärmer, weil es zu viele schmutzige Wolken von den Fabriken und Autos der Menschen gibt.“
Finn nickte traurig mit seinem großen Kopf. „Ich habe das auch bemerkt. Das Wasser ist an manchen Stellen wärmer, und es gibt weniger von den kleinen Krebsen, die ich so gerne esse.“
„Genau“, fuhr die Bärenmutter fort. „Ohne festes Eis können wir keine Robben jagen. Wir haben keine Plattform mehr, um uns auszuruhen. Und wir müssen viel, viel weiter schwimmen, um neues Eis zu finden. Viele meiner Artgenossen sind schon ertrunken, weil sie zu erschöpft waren.“
Der kleine Eisbärenjunge kuschelte sich ängstlich an seine Mutter. Opa Jörg fühlte einen Kloß im Hals. Das war ja schrecklich!
„Aber was können wir denn tun?“, fragte er.
„Jeder kann helfen!“, sagte die Eisbärenmutter. „Auch die Kinder! Ihr könnt Licht ausschalten, wenn ihr aus dem Zimmer geht. Ihr könnt kurze Wege zu Fuß gehen oder das Fahrrad nehmen, statt immer mit dem Auto gefahren zu werden. Ihr könnt weniger Plastikspielzeug kaufen und euer altes Spielzeug für andere Kinder spenden. Und ihr könnt euren Eltern sagen, dass sie Dinge reparieren lassen sollen, statt immer neue zu kaufen. All das spart Energie und macht die schmutzigen Wolken ein bisschen kleiner.“
Opa Jörg nahm all diese Worte mit in sein Herz. „Das werden wir tun! Wir werden allen davon erzählen!“
Er und Finn verabschiedeten sich von den beiden Eisbären, die nun glücklich und vereint auf einer großen Eisscholle standen.
Auf dem Rückweg zur Ostsee war es eine Weile still. Dann sagte Opa Jörg: „Finn, wir müssen Hüter der Erde sein. Für die Eisbären, für die Wale und für alle Kinder.“
Finn gluckschte zustimmend. „Ja, das müssen wir. Und wir fangen am besten gleich damit an.“
Und so kehrten sie nach Hause zurück – mit einem großen Abenteuer im Herzen und einem wichtigen Auftrag für die Zukunft.

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