Es war der 24. Dezember in Finnland, und überall lag so viel Schnee, dass die Welt aussah wie mit Zuckerguss überzogen. Der kleine Emil wohnte mit seiner Familie in einem rot gestrichenen Holzhaus am Rande eines großen Waldes.
„Heute ist Heiligabend!“, rief Emil und sprang aus seinem Bett. Er lief zum Fenster und sah, wie neue Schneeflocken langsam vom Himmel tanzten.
Seine Mutter kam herein und lächelte. „Heute ist es endlich so weit, Emil. Aber weißt du noch, was wir heute Mittag machen?“
„Die Weihnachtssauna!“, jubelte Emil. Das mochte er besonders gern. Die ganze Familie ging gemeinsam in die Holzscheune, in der sich die Sauna befand. Die wohlige Wärme kitzelte in seiner Nase, und der Duft von Birkenholz erfüllte den Raum. „Das ist die Ruhe vor dem Fest“, erklärte ihm sein Opa, während er mit einem Birkenzweig sanft durch die Luft wedelte.

Am Nachmittag, als es schon stockdunkel war – in Finnland wird es im Winter schon am Nachmittag dunkel –, machten sie sich auf zu einem besonderen Ort. Sie gingen zum Friedhof, um Oma zu besuchen. Emil fand das gar nicht traurig, denn der ganze Friedhof war mit Hunderten von Kerzen geschmückt, die in der Dunkelheit warm und friedlich leuchteten. „Wir denken an die, die nicht mehr bei uns sind“, flüsterte seine Mutter und hielt seine Hand fest. „So gehört es sich zu Joulu, unserem Weihnachten.“
Zurück zu Hause duftete es schon wunderbar nach dem Weihnachtsbrei, „Riisipuuro“. Bevor sie aßen, ging Emil mit seinem Vater in den Garten. Sie stellten einen großen Garbenhocker mit Körnern für die Vögel auf. „Die müssen auch etwas zu Joulu haben“, sagte der Vater.
Beim Abendessen war es dann endlich so weit. Plötzlich klopfte es laut an die Tür! Bumm, bumm, bumm!
Emils Herz klopfte schnell.Er wusste, wer jetzt hereinkam!
Die Tür ging auf und herein kam der Joulupukki – der Weihnachtsmann persönlich, mit einem langen roten Mantel, einem weißen Bart und einem großen Sack auf dem Rücken. Aber der Joulupukki war nicht allein. Neben ihm stand ein kleiner brauner Ziegenbock aus Stroh, der „Nuuttipukki“.
„Hyvää Joulua!“, brummte der Joulupukki mit tiefer Stimme. „Fröhliche Weihnachten! Seid ihr auch alle brav gewesen?“
Emil nickte eifrig. Der Joulupukki stellte jedem die gleiche Frage: „Bist du auch brav gewesen?“ Und alle, auch Mama und Papa, antworteten ehrlich: „Ja, ich werde es versuchen.“ Dann war der Joulupukki zufrieden und schenkte Emil sein Geschenk.
Nachdem der Joulupukki wieder gegangen war, um auch andere Kinder zu besuchen, saß die Familie gemütlich zusammen. Sie tranken heißen Glögg, die Kinder bekamen natürlich Saft, und aßen leckere Pfefferkuchen. Draußen vor dem Fenster schien der Mond auf den glitzernden Schnee.
„Warum heißt der Weihnachtsmann eigentlich Joulupukki?“, fragte Emil seinen Opa. „Pukki bedeutet doch eigentlich Ziegenbock.“
Der Opa lachte. „Das ist eine alte Geschichte. Früher, vor langer Zeit, kam ein Mann verkleidet als Ziegenbock, um die Geschenke zu bringen. Heute bringt sie der Weihnachtsmann, aber den Namen ‚Joulupukki‘ haben wir behalten. Der kleine Stroh-Ziegenbock, der ihn begleitet, erinnert daran.“
Emil kuschelte sich in seine Decke und sah auf den Stroh-Ziegenbock, der jetzt unterm Weihnachtsbaum stand. Er war so glücklich. Das war das Schönste am finnischen Weihnachtsfest: die Wärme der Sauna, die leuchtenden Kerzen für Oma, das Teilen mit den Vögeln und der Besuch des echten Joulupukki.
„Hyvää Joulua“, flüsterte er glücklich, während er einschlief und von rentiergezogenen Schlitten und freundlichen Weihnachtsmännern träumte.