Piko, der kleine Igel, und die Suche nach dem Winterquartier

Husch, husch, raschel, raschel! Es war Herbst im Garten von Opa Erwin. Die Blätter tanzten in rot, gelb und orange von den Bäumen, und in der Luft roch es nach feuchter Erde und reifen Äpfeln. Unter dem großen Holunderbusch saß Piko, der kleine Igel. Er war noch nicht sehr alt und zum ersten Mal in seinem Leben spürte er, dass es Zeit für etwas ganz Besonderes war: den Winterschlaf.

Piko war aufgeregt. „Wo soll ich nur schlafen?“, dachte er und seine schwarzen Knopfaugen blickten suchend umher. Seine Stacheln, die eigentlich umgewandelte Haare waren, klapperten leise, als er sich zusammenrollte und wieder aufrollte.

Da hörte er ein sanftes Schnaufen. Es war Frau Luna, eine alte, weise Igel-Dame, die schon viele Winter erlebt hatte.

„Na, kleiner Piko, siehst du ja aus, als hättest du deine Stacheln verkehrt herum angezogen!“, schnaufte sie freundlich.

„Ach, Frau Luna“, piepste Piko, „ich weiß nicht, wo ich mein Winterquartier bauen soll.“

„Komm“, sagte Frau Luna, „ich zeige es dir. Aber pass gut auf, denn auf dem Weg lauern viele Gefahren.“

Gemeinsam tapsten sie los. Plötzlich blieb Frau Luna stehen. „Pssst! Siehst du das große, hell erleuchtete Fenster dort? Das ist eine Straße der Zweibeiner. Wir müssen warten, bis kein Auto mehr kommt. Diese rollenden Ungetüme sind sehr gefährlich für uns.“

Piko nickte ernst. Das merkte er sich: Igel gehen nie bei Gefahr über die Straße.

Endlich auf der anderen Seite, roch es herrlich. Unter einem Busch lag eine Schale mit Katzenfutter und daneben stand ein flacher Napf mit Wasser.

„Siehst du, Piko?“, erklärte Frau Luna, während sie genüsslich kroch. „Das sind freundliche Menschen. Sie wissen, dass wir Insektenfresser sind und jetzt vor dem Winter viel Energie brauchen. Katzenfutter oder spezielles Igeltrockenfutter und Wasser sind perfekt für uns. Niemals Milch! Die macht uns ganz furchtbar krank.“

Piko probierte das Futter. Mmmm, lecker! Das gab Kraft.

Weiter ging es. Plötzlich roch es seltsam. Ein großer, brauner Haufen lag auf ihrem Weg.

„Vorsicht!“, warnte Frau Luna. „Das ist ein Laubhaufen, den jemand mit einem lauten Gerät zusammengeblasen hat. Darin könnten scharfe Messer versteckt sein. Wir Igel lieben es, in ruhigen Laub- und Reisighaufen zu wühlen, um Würmer und Käfer zu finden. Aber nur, wenn sie mit Harken gemacht wurden, nicht mit diesen lauten Monstern.“

Piko verstand. Laubhaufen sind toll, aber nur sichere!

Schließlich kamen sie zu einer ruhigen, verwilderten Ecke des Gartens. Dort lag ein großer Haufen aus Ästen und trockenem Laub.

„Perfekt!“, schnaufte Frau Luna. „So sollte ein Igel-Zuhause aussehen. Sieh mal, Piko, hier kannst du dein Nest bauen. Du suchst dir eine geschützte Stelle, zum Beispiel unter einem Holzstapel oder in einer Hecke. Dann trägst du Blätter hinein und formst eine kuschelige Kugel. Darin wirst du dich zusammenrollen und schlafen, bis der Frühling kommt.“

Piko war begeistert. Er half Frau Luna, ein paar letzte Blätter in ihr Winterquartier zu tragen, und dann suchte er sich direkt daneben einen eigenen Platz.

Gerade als er anfing zu buddeln, hörte er Kinderstimmen.

„Guck mal, ein Igel!“, rief ein Mädchen.

„Lass ihn in Ruhe, Lena“, sagte ein Junge. „Im Herbst müssen Igel ihre Ruhe haben. Wir können ihm aber eine Schüssel Wasser hinstellen und morgen ein bisschen Katzenfutter.“

Piko rollte sich nicht einmal zusammen. Er spürte, dass diese Zweibeiner Freunde waren. Er hatte gelernt, dass gute Menschen Igel nur im Herbst füttern, wenn sie zu dünn sind, und sie ansonsten in Ruhe lassen.

Völlig erschöpft, aber glücklich, kroch Piko in sein fertiges Laubnest. Er rollte sich zu einer festen Kugel zusammen. Sein Herzschlag und seine Atmung wurden ganz, ganz langsam. Er fiel in den tiefen, tiefen Winterschlaf.

Und unter der weißen Winterdecke aus Schnee träumte er von saftigen Regenwürmern, freundlichen Kindern und dem wunderbaren Frühling, der irgendwann zu ihm zurückkommen würde.

Das kleine Igel-Einmaleins – Für dich zum Mitnehmen!

Damit du ein richtiger Igel-Profi wirst, hier die wichtigsten Regeln:

1. Igel sind Nachtschwärmer: Sie schlafen am Tag und sind nachts unterwegs.

2. Keine Milch! Igel bekommen davon schlimmen Durchfall. Stell ihnen lieber eine Schale Wasser hin.

3. Das richtige Futter: Wenn du im Herbst einen kleinen Igel fütterst, nimm Katzenfutter oder spezielles Igeltrockenfutter.

4. Laubhaufen sind Supermärkte und Hotels: Lass im Herbst ruhig ein paar Blätter- und Asthaufen in einer Gartenecke liegen. Darin finden Igel Futter und ein Zuhause.

5. Vorsicht vor Gefahren: Mähroboter, Laubbläser und offene Kellerschächte sind gefährlich für Igel.

6. Ein Igel in Ruhe ist ein glücklicher Igel: Wenn du einen Igel siehst, freu dich still! Fass ihn nur an, wenn er eindeutig Hilfe braucht (z.B. verletzt ist oder bei Frost noch herumläuft). Dann hol einen Erwachsenen und frag einen Tierarzt oder eine Igelstation um Rat.

Hilf mit, dass kleine Igel wie Piko sicher durch den Winter kommen

Über Jörg Winkler 51 Artikel
Mein Name ist Jörg Winkler und ich bin der Verantwortliche für das GTA "Schülerredaktion".